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Symposium zum 100. Todestag ehrt Theologen und SPD-Parlamentarier Christoph Blumhardt

Mit einem Symposium zum 100. Todestag ehrte die SPD-Landtagsfraktion Christoph Blumhardt am 27. September 2019 im Stuttgarter Landtag. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch würdigte Christoph Blumhardt als einen großen Vordenker für sozialen Frieden, Teilhabe, Freie Bildung und Gerechtigkeit für alle sozialen Schichten: „Blumhardt folgte seiner Überzeugung, dass Glaube und sozialdemokratische Politik vereinbar sein müssen, und musste sich dabei vielen Widerständen zur Wehr setzen. Tatsächlich können wir von Christoph Blumhardt bis heute lernen, auf was es ankommt. Es kommt darauf an, zusammenzustehen. Das gilt nicht nur für Kirche und Sozialdemokratie, sondern für alle, die guten Willens sind. Für eine offene und gerechte Gesellschaft, für den Schutz unserer Umwelt und unseres Klimas. Für unsere Zukunft“.


Der kirchenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rainer Hinderer ergänzte: „Für eine gerechte Welt beten und sich zugleich politisch einsetzen – das war zu Blumhardts Zeiten schwer, zumal, wenn das Engagement der Sozialdemokratie galt. Glücklicherweise arbeiten die Kirchen und die SPD heute versöhnt und vielfach einvernehmlich an der Lösung wichtiger gesellschaftlicher Fragen zusammen. Das belegt auch das hervorragende Interesse an unserem Symposium und die Beteiligung hochrangiger Vertreter von Kirche und Diakonie.“


In seinem Impulsvortrag legte Prof. Dr. Jörg Hübner, Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, vor allem einen Schwerpunkt auf das politische Leben des Theologen: „Der Prediger, Politiker und Pazifist Christoph Blumhardt vertrat Zeit seines Lebens im wilhelminischen Kaiserreich zwischen 1971 und 1918 eine politische Theologie der Hoffnung – gegen jeden Nationalismus, Militarismus, europazentrierten Kolonialismus und gegen eine zunehmende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Durch seinen Beitritt zu den Sozialdemokraten verlor er seinen Titel als Pfarrer; als Landtagsabgeordneter setzte er sich in seiner Fraktion für eine genossenschaftliche Agrarreform ein, wurde zum Experten für Eisenbahnlinien und Eisenbahntarife, wehrte sich gegen die nationale Schutzzollpolitik oder engagierte sich für eine Stärkung des Volksschulunterrichts. Die soziale Frage, so Christoph Blumhardt, müsse eine Menschheits-, Friedens- und Naturbewegung werden. Den ersten Weltkrieg bezeichnete er als ‚Sünde‘ und setzte damit gegen einer am Nationalismus orientierten Kirche neue Akzente. Die Erinnerung an solch einen visionär denkenden und mutig handelnden Menschen haben wir in den Transformationsprozessen der Gegenwart dringend nötig. Die Versöhnung mit der Erde – in seiner Theologie und seinen politischen Ansätzen wird sie konkret.“


In Rahmen eines Podiumsgesprächs fand Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die richtigen Worte, um Blumhardts damaligen Spagat zwischen Glaube und Politik zu beschreiben: „Christoph Blumhardt war ein Zeuge Gottes in einer Zeit großer Transformationen. Wenngleich er selbst sich auch immer wieder gewandelt hat, blieb seine Konstante das Wort Gottes, die Bibel, von der er sich getragen wusste. Wir dürfen ihn nicht instrumentalisieren oder vereinnahmen – weder Kirche noch Politik – sondern sollten seine Impulse aufnehmen: Das unermüdliche Fragen nach Menschenrechten, Gerechtigkeit und Frieden, nach der Bewahrung der Schöpfung. Und in allem seine Sehnsucht und das Warten auf die Wirklichkeit und das Geheimnis des Reiches Gottes. Dafür brannte sein Herz.“

Rainer Hinderer betonte, wie klar Christoph Blumhardt seine damals so umstrittene Hinwendung zur SPD begründet habe – in einer Weise, die bis heute Gültigkeit habe: „Die Gleichheit der Menschen bedingt Demokratie, das Lebensrecht jedes einzelnen Menschen bedingt soziale Leistungen des Staates. Demokratie muss sein, und sie muss sozial sein. Wir brauchen also Sozialdemokratie – und das eben auch nach christlichen Maßstäben.“


Christoph Blumhardt war einer der namhaften Theologen seiner Zeit und in den Jahren 1901 bis 1906 SPD-Landtagsabgeordneter im damaligen Landtag von Württemberg – zu einem Zeitpunkt, da sich Parteimitgliedschaft in der SPD und das Innehaben eines kirchlichen Amtes noch ausschlossen und Blumhardt dafür sein Amt aufgeben musste, um politisch aktiv zu sein.

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